Schuldenfreiheit in weniger als 12 Monaten mit Insolvenzplan

VERBRAUCHERINSOLVENZ

  • Die Verbraucherinsolvenz ist die vereinfachte Variante des allgemeinen Insolvenzverfahrens (Regelinsolvenz) in Deutschland. Rechtliche Grundlage ist die Insolvenzordnung (InsO) von 1999.
  • Natürliche Personen können sich mit Hilfe einer Verbraucherinsolvenz nach maximal 6 Jahren von allen Schulden befreien. Eine Verkürzung auf bis zu 3 Jahre ist unter bestimmten Umständen möglich.
  • Die wichtigste Voraussetzung für die Eröffnung des Verbraucherinsolvenzverfahrens ist die (drohende) Zahlungsunfähigkeit. Darüber hinaus ist das von einer “geeigneten Person” bestätigte Scheitern eines außergerichtlichen Vergleichs zwingend notwendig.
  • Die eigentliche Verbraucherinsolvenz umfasst zwei Phasen. Und zwar das eigentliche Insolvenzverfahren (Dauer: 6 Monate bis 2 Jahre) und das parallel beginnende Restschuldbefreiungsverfahren (Dauer: bis zu 6 Jahre).
  • Einerseits verwertet der Insolvenzverwalter das Vermögen des Schuldners und verteilt es an die Gläubiger. Andererseits überlässt der Schuldner dem Insolvenzverwalter (Treuhänder) bis zum Ende des Verfahrens den pfändbaren Teil seines Einkommens.
  • Wenn der Schuldner seine zusätzlichen Pflichten (Obliegenheiten) in der sogenannten Wohlverhaltensphase erfüllt, erteilt das Insolvenzgericht die Restschuldbefreiung. Infolgedessen kann der finanzielle Neustart beginnen!
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1. Ziele der Verbraucherinsolvenz

Die primären Ziele der Verbraucherinsolvenz sind die gleichmäßige Verteilung des Vermögens an die Gläubiger (§1 InsO) und die Schuldenfreiheit (d.h. die Restschuldbefreiung) des Schuldners. Der Staat bietet diese Möglichkeit aber nicht nur aus reiner Wohltätigkeit an. Überschuldete Personen sollen wieder am Wirtschaftsleben teilnehmen – und in Zukunft möglichst nicht erneut in die Schuldenfalle tappen.

Mit Eröffnung des Insolvenzverfahrens greift auch der Pfändungsschutz. Dieser ist für den Schuldner ebenfalls sehr wichtig. Schließlich haben Gläubiger dann keine Chance mehr, eine Pfändung zu veranlassen. Zudem müssen Schreiben von Gläubigern nicht mehr beachtet werden. Auch der Gerichtsvollzieher hat keinen Zugriff mehr auf das Vermögen des Schuldners.

2. Gründe für die Zahlungsunfähigkeit

Schulden sind heutzutage leider nichts Ungewöhnliches. Inzwischen gelten fast 10% der Deutschen als überschuldet. Obwohl viele von ihnen ein regelmäßiges Einkommen haben, können sie die laufenden Zahlungsverpflichtungen nicht mehr in vollem Umfang erfüllen.

Pfändungen, Besuche vom Gerichtsvollzieher und Mahnungen von Inkassounternehmen gehören in über 3 Millionen Haushalten schon zum Alltag. Obendrein sind Geldsorgen eine psychische Belastung, die sich auf das gesamte Familienleben negativ auswirken kann.

Dabei gibt es Schuldner, die eher unverschuldet in die Schuldenfalle geraten sind. Krankheiten, Arbeitslosigkeit, Scheidung, Tod des Partners und andere Schicksalsschläge führen in vielen Fällen zu finanziellen Problemen. Auch Rentner, die ihr ganzes Leben gearbeitet haben, und dennoch eine Rente unter dem Existenzminimum beziehen, gehören unter dem Stichwort “Altersarmut” in diese Kategorie.

Andere geraten durch ein falsches Konsumverhalten quasi “sehenden Auges” in die Schuldenspirale. Beispielsweise geben sie zu viel Geld für Konsumgüter aus und schließen viele Ratenkredite ab (z.B. für Autos, Computer oder Smartphones). Dadurch leben sie ständig über ihre Verhältnisse.

Der Staat bietet Schuldnern Hilfestellung in Form von öffentlichen Schuldnerberatungsstellen. Auch die Verbraucherinsolvenz ist ein staatliches Instrument, um überschuldete Personen zu unterstützen.

3. Voraussetzungen für die Eröffnung des privaten Insolvenzverfahrens

Das Insolvenzgericht prüft bei der Bearbeitung des Insolvenzantrags, ob der Schuldner die folgenden Voraussetzungen erfüllt: 

1. Natürliche Person

Eine Verbraucherinsolvenz kann nur von natürlichen Personen beantragt werden, die …

  • nicht selbständig sind und es bislang auch nicht waren.
  • zwar selbständig waren, aber bei weniger als 20 Gläubigern Schulden haben
  • UND keine Löhne (oder ähnliche Forderungen von Mitarbeitern) mehr begleichen müssen.

(Ehemalige) Selbständige, die die Voraussetzungen nicht erfüllen, fallen unter die Regelinsolvenz bzw. Firmeninsolvenz. Genauso wie juristische Personen haben sie keinen Anspruch auf ein Verbraucherinsolvenzverfahren.

2. Zahlungsunfähigkeit / Überschuldung

Die Zahlungsunfähigkeit liegt vor (§ 17 InsO) oder steht unmittelbar bevor (§ 18 InsO). Der Schuldenberg ist so hoch, dass der Schuldner seine fälligen Verbindlichkeiten (zu einem gewissen Stichtag) nicht zurückzahlen kann.

3. Scheitern des Außergerichtlichen Vergleichs

Wer eine Verbraucherinsolvenz beantragen möchte, muss zunächst versuchen, sich mit seinen Gläubigern außergerichtlich zu einigen. Erst wenn ein außergerichtlicher Vergleich nicht gelingt, kann das Verbraucherinsolvenzverfahren beantragt werden. Falls nur EIN Gläubiger dem Schuldenbereinigungsplan nicht zustimmt, scheitert der Vergleich.

Das Scheitern des Versuchs muss gemäß § 305 InsO von einer sogenannten “Geeigneten Person” oder “Geeigneten Stelle” bescheinigt werden. Als geeignet gilt z.B. ein Rechtsanwalt.

4. Deckung der Verfahrenskosten

Das Vermögen des Schuldners muss ausreichen, um die Verfahrenskosten zu decken. Bei einem geringen Einkommen ist auch eine Stundung der Kosten möglich, d.h. der Schuldner zahlt den Betrag erst nach der Restschuldbefreiung (in max. 48 Monatsraten).

5. Keine Versagungsgründe

Damit das Verbraucherinsolvenzverfahren eröffnet werden kann, dürfen keine Versagungsgründe vorliegen. Das ist z.B. der Fall, wenn eine Sperrfrist besteht. Ein Schuldner hat eine Sperrfrist, wenn …

  • er innerhalb der letzten 10 Jahre eine Verbraucherinsolvenz durchlaufen hat,
  • ein Restschuldbefreiungsverfahren in den letzten 5 Jahren aufgrund einer Insolvenzstraftat gescheitert ist,
  • er innerhalb der letzten 3 Jahre falsche Angaben gemacht hat, um an einen Kredit zu kommen.

6. Wohnort

Der Lebensmittelpunkt des Schuldners muss sich in Deutschland befinden. Die Staatsangehörigkeit spielt keine Rolle.

7. Vermögens- und Schuldenverzeichnis

Der Schuldner muss seinem Insolvenzantrag ein Vermögens- und Schuldenverzeichnis hinzufügen. Sofern das Insolvenzgericht es verlangt, muss auch ein Schuldenbereinigungsplan eingereicht werden. Das ist meistens nur bei Aussicht auf Erfolg der Fall.

8. Formulare

Die amtlichen Formularvordrucke müssen gewissenhaft ausgefüllt werden. Dazu gehören z.B. der Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens, der Antrag auf die Erteilung der Restschuldbefreiung und ggf. der Antrag auf Stundung der Verfahrenskosten.

4. Das Insolvenzverfahren vorbereiten

Bei der Verbraucherinsolvenz handelt es sich zwar um ein vereinfachtes Insolvenzverfahren, dennoch ist das Thema weiterhin sehr komplex. Um Stolperfallen zu umgehen, sollten Sie unbedingt professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.

Wir verschaffen uns einen detaillierten Überblick über Ihre finanzielle Situation und erstellen einen individuellen Entschuldungsplan. Danach verhandeln wir mit Ihren Gläubigern und versuchen, die Insolvenz mit einem außergerichtlichen Vergleich zu vermeiden.

 

TIPP:

Wenn Sie Geldprobleme haben, zahlen Sie zunächst die sogenannten Primärschulden. Das sind z.B. die Miete und Schulden bei Energieversorgern (Strom, Gas), dem Finanzamt oder der Krankenkasse. Anders formuliert: Existenzsicherung geht vor Schuldenregulierung!

 

TIPP:

Gehen Sie Ihre Finanzprobleme aktiv an! Meistens fühlen sich Schuldner schon nach dem ersten Kontakt mit einem Experten deutlich besser.

 

TIPP:

Sofern noch nicht geschehen, sollten Sie Ihr Bankkonto in ein P-Konto(Pfändungsschutzkonto) umwandeln. So schützen Sie Ihr pfändungsfreies Guthaben und verhindern, dass Ihre Gläubiger das gesamte Konto pfänden. Bei uns können Sie auch die P-Konto Bescheinigung beantragen!